Tourismus im Norden unter Druck
Tourismus im Norden unter Druck, Foto: pixabay

In Norddeutschland herrscht derzeit eine angespannte Stimmung in der Tourismusbranche. Eine aktuelle Umfrage unter rund 600 Betrieben zeigt klare Rückgänge bei Buchungen, kürzere Aufenthaltsdauern und eine deutlich spürbare Konsumzurückhaltung bei Reisenden. Betroffen sind vor allem Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Die wichtigsten Herausforderungen sind laut den Unternehmen steigende Arbeitskosten, Personalmangel und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.

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Lars Schwarz warnt vor Konsumzurückhaltung

Die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern leidet besonders unter kurzfristigen Buchungen, verkürzten Aufenthalten und geringeren Ausgaben der Gäste. Dies bestätigte Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, auf Grundlage der aktuellen Tourismuskonjunkturumfrage der norddeutschen Industrie- und Handelskammern.

Die IHK Nord, ein Zusammenschluss der Kammern aus fünf Bundesländern, repräsentiert dabei etwa 900.000 Unternehmen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Der Geschäftsklimaindex im Gastgewerbe liegt im Sommer 2025 bei nur 88 Punkten – nahezu unverändert zum Frühjahr. In der Reisewirtschaft sank der Index sogar von 111 auf 107 Punkte.

Trotz Übernachtungszahlen, die dem Niveau vor der Pandemie entsprechen, bleibt die allgemeine Stimmung pessimistisch.

Knud Hansen benennt zentrale Probleme

Knud Hansen, stellvertretender Vorsitzender der IHK Nord, stellte in seiner Auswertung klar: „Hohe Kosten, unsichere Bedingungen und Personalmangel behindern eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit.“

Ein Blick auf die Ergebnisse der Umfrage zeigt:

  • 70 % der gastgewerblichen Betriebe sehen ihre Lage als gut oder befriedigend.
  • 30 % bewerten sie als schlecht.
  • 33 % erwarten eine Verschlechterung der Lage.
  • Nur 16 % hoffen auf Besserung.

Als größte Risiken werden genannt:

  • 84 %: steigende Arbeitskosten
  • 72 %: teure Energie, Lebensmittel und Rohstoffe
  • 60 %: unsichere politische Rahmenbedingungen
  • 53 %: fehlendes Personal
  • 34 %: schwache Inlandsnachfrage

Diese Faktoren wirken sich direkt auf die Kalkulationen und Planungen der Unternehmen aus.

Reiseanbieter blicken vorsichtig in die Zukunft

Die Stimmung in der Reisewirtschaft hat sich weiter verschlechtert. Zwar bewerten 37 % der befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, jedoch erwarten 24 % eine Verschlechterung in den kommenden Monaten. Lediglich 14 % sehen eine positive Entwicklung.

Besonders kritisch sehen Reiseanbieter die internationalen Rahmenbedingungen. Durch geopolitische Krisen wie Kriege und Unsicherheiten fallen viele Reiseziele aktuell weg. Hinzu kommen:

  • steigende Bürokratie,
  • hohe Preissensibilität der Kunden,
  • und strukturelle Unsicherheiten bei der Gesetzgebung.

56 % der Befragten nannten die politische Rahmensituation als größtes Risiko für die kommenden Monate.

Politische Reformen bleiben entscheidend

Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Einige angekündigte politische Maßnahmen könnten der Branche langfristig helfen. Dazu zählt die im Koalitionsvertrag versprochene Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie die geplante Reform der Unternehmenssteuer.

Diese Reformen könnten laut Knud Hansen wichtige Impulse setzen, wenn sie zügig und konkret umgesetzt werden. Besonders in strukturschwachen Urlaubsregionen wie Mecklenburg-Vorpommern wären diese Veränderungen dringend notwendig.

Die Umfrage zeigt deutlich: Ohne strukturelle Änderungen bleibt die Tourismusbranche im Norden unter Druck.

Wirtschaftliche Risiken im Tourismus laut IHK-Umfrage

Risiko Anteil der Nennungen (%)
Arbeitskosten 84
Energie-, Lebensmittelpreise 72
Wirtschaftspolitische Rahmenlage 60
Personalmangel 53
Schwache Inlandsnachfrage 34

Die Umfrage zeigt deutlich: Ohne strukturelle Änderungen bleibt die Tourismusbranche im Norden unter Druck.

Quelle: Nordkurier

 

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