Quallen treiben durch Strömung in Küstennähe
Quallen treiben durch Strömung in Küstennähe, Foto: pixabay

An mehreren Stränden in Deutschland sorgen zurzeit große Ansammlungen von Quallen für Unsicherheit unter Badegästen. Die Tieransammlungen sind auffällig häufig an der Nordsee und Ostsee zu beobachten. Besonders betroffen sind Badebuchten mit ruhigem Wasser. Die Situation zwingt örtliche Behörden, Warnhinweise aufzustellen oder sogar Badeverbote zu prüfen.

Inhaltsverzeichnis:

Quallenblüte in Vorpommern-Rügen nimmt zu

Im Landkreis Vorpommern-Rügen wurde das Phänomen offiziell als Quallenblüte eingeordnet. Fachleute führen das starke Auftreten der Tiere auf Umweltfaktoren zurück. Dazu zählen:

  • Klimaveränderungen
  • Erhöhte Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft
  • Überfischung der Meere

Durch den erhöhten Stickstoffeintrag nimmt die Menge an Plankton zu. Quallen profitieren davon direkt, da Plankton ihre Hauptnahrung darstellt. Gleichzeitig verringert die Überfischung die Zahl ihrer natürlichen Feinde, was ein zusätzliches Wachstum begünstigt.

Geomar-Zentrum verweist auf Wind und Strömung

Laut Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel liegt der Ursprung der Quallenansammlungen oft nicht in einer eigentlichen Blüte. Vielmehr treiben Wind und Meeresströmung die Tiere in Ufernähe zusammen. Quallen schwimmen nur schwach, sie sind passiv von äußeren Einflüssen abhängig.

Je nach Windrichtung entstehen Massenansammlungen, während andere Küstenabschnitte nahezu frei bleiben. Vor allem bei starkem Wind entstehen sogenannte Quallenbänder an der Wasseroberfläche. Dort konzentriert sich Plankton, was diese Stellen für Quallen besonders attraktiv macht.

Häufige Arten und mögliche Gefahren

In Nord- und Ostsee dominiert die ungefährliche Ohrenqualle Aurelia aurita. Ihr transparenter Schirm ist an vier ringförmigen Fortpflanzungsorganen zu erkennen. Dennoch sind auch gefährlichere Arten regelmäßig vertreten. Dazu zählen:

  • Gelbe Nesselqualle (Feuerqualle)
  • Blaue Nesselqualle
  • Kompassqualle

Laut dem Landesamt für Umwelt in Schleswig-Holstein können deren Tentakel beim Kontakt schwere Reizungen verursachen. Symptome reichen von brennenden Schmerzen und Schwellungen bis hin zu Übelkeit oder Kreislaufproblemen. Auch tote Quallen am Strand behalten ihre Nesselwirkung.

Verhalten bei Kontakt und Schutzmaßnahmen

Das Landesamt für soziale Dienste rät, bei erkennbarer Quallenmasse auf das Baden zu verzichten. Besonders gefährlich sind Tentakel, die kaum sichtbar im Wasser treiben. Wer im Wasser eine Feuerqualle entdeckt, sollte sich langsam entfernen. Rasche Bewegungen erzeugen Strömungen, die Quallen anziehen können.

Bei Kontakt gelten folgende Sofortmaßnahmen:

  • Tentakel mit Meerwasser abspülen, nicht mit Süßwasser oder Alkohol
  • Nicht reiben
  • Bei Bedarf Sand auftragen, trocknen lassen, dann mit Kunststoffkarte oder Messerrücken entfernen
  • Danach Brandsalbe und juckreizlindernde Salben verwenden
  • Bei schweren Symptomen ärztliche Hilfe suchen

Die DLRG empfiehlt, auf gelbe oder rote Warnflaggen zu achten, auch bei sonnigem Wetter. Schilder an Strandzugängen können auf erhöhte Gefahr hinweisen.

Wie Quallen ihre Beute fangen

Quallen gehören zu den Nesseltieren und besitzen spezielle Zellen an der Außenhaut. Diese Nesselzellen dienen dem Fang von Beutetieren. Bei Berührung öffnet sich eine Nesselkapsel. Ein mikroskopischer Faden mit Stachel wird ausgeschleudert. Das lähmende Gift wirkt sofort auf Beutetiere oder bei Menschen auf die Haut.

Diese biologische Eigenschaft ist überlebenswichtig für Quallen. Sie setzen ihr Gift zur Jagd und Verteidigung ein. In der Nord- und Ostsee sind es besonders die Tentakel der Feuer- und Kompassqualle, die für den Menschen zur Gefahr werden können.

Quelle: Nordkurier, YouTube

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