Bedrohter Schreiadler nahe Windrädern in Vorpommern
Bedrohter Schreiadler nahe Windrädern in Vorpommern, Foto: Pixabay

Eine neue Untersuchung zeigt deutliche Konflikte zwischen Windkraftanlagen und dem Vogelschutz im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Besonders betroffen sind bedrohte Arten wie der Schreiadler, Seeadler und Rotmilan.

Inhaltsverzeichnis:

Deutsche Wildtier Stiftung untersucht Vorpommern-Greifswald

Die von Julia Voelsen und Dr. Matthias Schreiber durchgeführte Studie belegt die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf sensible Brut- und Rastvögel. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald trägt aufgrund seiner vielen Natura-2000-Gebiete eine besondere Verantwortung. Ende 2021 befanden sich hier zahlreiche Windräder in direkter Nähe zu Vogelschutzgebieten. Diese Gebiete haben gesetzlich definierte Erhaltungsziele, die kollisionsgefährdete Vogelarten einschließen.

In Mecklenburg-Vorpommern stehen 18 Windräder im unmittelbaren Nahbereich von Schutzgebieten und 14 im zentralen Prüfbereich. Das ist ein deutschlandweiter Spitzenwert. Der zentrale Prüfbereich umfasst eine Zone, in der die Folgen von Windkraftanlagen für Brut- und Zugvögel untersucht werden müssen.

Schreiadler, Seeadler und Rotmilan unter Druck

Die Lage ist besonders kritisch für den stark gefährdeten Schreiadler. Über 90 Prozent der Schutzgebiete, in denen er vorkommt, sind von Windrädern betroffen. Das Verbreitungsgebiet im Landkreis hat eine zentrale Bedeutung für den Erhalt der Art in Deutschland.

Ähnlich betroffen sind Seeadler und Rotmilan. Der Betrieb von Windkraftanlagen führt zu hohen Kollisionsrisiken und schränkt die Nutzung der Lebensräume ein. Besonders problematisch sind landwirtschaftlich geprägte Regionen sowie Gebiete nahe Küsten und Feuchtflächen. Ein Beispiel ist das Vogelschutzgebiet Peenetal, das für seine hohe Artenvielfalt bekannt ist.

  • Schreiadler: größtes Risiko durch Verlust der Brutplätze
  • Seeadler: zunehmender Druck durch Windkraftanlagen
  • Rotmilan: verstärkte Gefährdung durch eingeschränkte Raumnutzung

Kurzfilm über technische Systeme zum Schutz von Vögeln an Windkraftanlagen.

Bedrohte Gebiete Peenetal, Greifswalder Bodden und Stettiner Haff

Im Peenetal gefährden mehrere Windkraftanlagen im erweiterten Prüfbereich bis 5 Kilometer sensible Arten wie den Kranich. Auch im Greifswalder Bodden und im Stettiner Haff treten Konflikte auf. Diese Gebiete haben zentrale Bedeutung für den Vogelzug in Mitteleuropa.

Die Studie weist darauf hin, dass die geltenden Abstandsregelungen nicht ausreichen. Für den Schreiadler wird ein Mindestabstand von 6.000 Metern gefordert. Gesetzlich vorgesehen sind jedoch meist nur 1.500 bis 5.000 Meter. Damit bleibt der Schutz unzureichend. Auch beim Seeadler sind die Prüfradien zu gering, um die Verluste durch Kollisionen wirksam zu verhindern.

Übersicht empfohlener Abstände

Vogelart Empfohlener Mindestabstand Gesetzliche Abstände
Schreiadler 6.000 m 1.500–5.000 m
Seeadler über 5.000 m 1.500–5.000 m
Rotmilan 4.000–6.000 m 1.500–5.000 m

Rückbau und Schutzmaßnahmen gefordert

Die Autoren betonen die Notwendigkeit klarer Schritte. Langfristig müsse ein Rückbau von Windrädern aus sensiblen Regionen erfolgen. Kurzfristig könnten Abschaltungen während Brut- und Zugzeiten helfen.

Die Studie kritisiert, dass die aktuellen Richtlinien des Bundesnaturschutzgesetzes nicht ausreichen, um die strengeren Vorgaben der europäischen Vogelschutzrichtlinie einzuhalten. Die Deutsche Wildtier Stiftung sieht die Ergebnisse als wichtigen Impuls, um beim Ausbau der Windenergie den Naturschutz stärker zu berücksichtigen.

Die Stiftung stellt die vollständige Studie mit detaillierten Zahlen und Analysen auf ihrer Website zur Verfügung.

 Quelle: Nordkurier, YouTube

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